Piz Trovat I (3146 m) - Klettersteig im Festsaal der Alpen

Genussklettersteig vor Piz Palü und Bernina

Seilbrücke
Tour:
Genußklettersteig in der Bernina-Gruppe
Region / Gebiet:
Bernina-Gruppe, Engadin (Schweiz)
Termin:
24.08.2013
Ausgangshöhe:
2078 m (Parkplatz Talstation Seilbahn Diavolezza)
Erreichte Höhe:
3146 m (Gipfel Piz Trovat)
Höhenmeter:
ca. 1200 m (davon ca. 250 m Klettersteig)
GPS-Koordinaten:
Breite: 46.40593° N
Länge: 09.97036° O
Anfahrt:
Von St. Moritz über die Route 29 und Pontresina Richtung Bernina-Pass. Anhalten am Parkplatz der Talstation der Diavolezza-Seibahn.
Aufstiegsroute:
Ab Talstation der Diavolezza-Seibahn ausgeschildert und in steilen Kehren einen Fahrweg bis auf etwa 2600 m zum Lej da Diavolezza folgen. Alternativ 100 Höhenmeter tiefer über einen ausgeschilderten Bergpfad zum kleinen See aufsteigen.
Ab See dem Bergpfad links am See vorbei folgen und etwas steiler einen Höhenrücken aufsteigen. Weiter durch mehrere Senken und Gegenanstiege, zuletzt über Firnfelder zur Einsattelung der Diavolezza mit der Bergstation der Seilbahn (ca. 2,5 h ab Talstation).
Direkt ab Diavolezza-Bergstation über den ausgeschilderten steilen Pfad (blau/weisse Pfadkennzeichnung) Richtung Südost zum Fuß des Piz Trovat folgen (20 Minuten ab Diavolezza).
Ab dem Wandfuß der eindeutigen Aufstiegslinie Richtung Gipfel folgen, wobei etwa auf halber Wandhöhe die Entscheidung für eine leichtere oder anspruchsvolle Variante zu treffen ist (Klettersteigdauer ca. 2 Stunden).
Abstiegsroute:
Über steilen, markierten Pfad vom Gipfel des Piz Trovat etwa 200 m absteigen, dann auf mittelschwerem Bergwanderweg durch die Südwestflanke des Sass Queder zum ausgebauten Wegesystem an der Diavolezza - Bergstation.
Wahlweise über die Aufstiegsroute oder mit der Diavolezza-Seilbahn ins Tal zurück.
Dauer:
ca. 7 - 8 Stunden (bei Aufstieg ab Diavolezza - Talstation)

Nach oben 24.08.2013 Piz Trovat I - Klettersteig

Lej da Diavolezza Mit Bergkameradin Monika starte ich nach verregneter Nacht von unserer Unterkunft in Zuoz Richtung Berninapass. Im nebligen Tal vor St. Moritz beträgt die Sichtweite weniger als 100 Meter. Erst auf der Höhe von Pontresina lichtet sich das Grau und am Taleinschnitt des Morteratsch-Gletschers fällt der Blick erstmals auf die Eisgipgfel der Bernina-Gruppe.

Am Parkplatz der Talstation der Diavolezza-Seilbahn stellen wir das Auto ab und beginnen kurz darauf bei wolkenlosem Himmel den Aufstieg zur Diavolezza:
Die ersten etwa 550 Höhenmeter geht es auf steilem, aber gut ausgebauten Fahrweg entlang der Seilbahntrasse zwischen den Almwiesen in Serpentinen empor. Hinter einer Kuppe wird der kleine Karsee Lej da Diavolezza erreicht, entsprechend der Beschilderung folgen wir dem jetzt schmalen Pfad links des Sees und beginnen in Serpentinen den Aufstieg auf einen blockigen Höhenrücken. Von dessen Kuppe haben wir einen schönen Blick auf den Berninapass mit See, Strasse und Eisenbahnlinie. Die lauten Motorengeräusche von der Strasse lassen uns erst an jugendliches Imponiergehabe denken, entpuppen sich aber am nächsten Tag als der "Motorensound" einer gerade im Engadin stattfindenden Rallye historischer Sportwagen.

Berninapass Ein steiler Felsriegel wir mittels einer Stufenanlage und Drahtseilgeländern überwunden. Nochmals gehen wir durch ein paar kleine Senken mit anschliessenden Aufschwüngen, danach wird über einige kleinere Firnfelder die Skiliftanlage am Diavolezza-Sattel erreicht (ca. 2,5 h ab Parkplatz).

Bei einer Rast geniessen wir die Gletscherwelt um Piz Palü (3901 m), Bernina (4049 m) mit Biancograt und Piz Morteratsch (3751 m).

Panorama Der Weg zum Piz Trovat ist deutlich ausgeschildert. Etwas gedankenlos folgen wir diesem unter dem Sass Queder in Richtung unseres Berges, merken aber bald, dass es sich nicht um den Zugang zum Klettersteig sondern nur um den normalen Wanderweg bzw. den Abstiegsweg vom Gipfel handelt. Wir drehen um und gehen Richtung Diavolezza-Bergstation. Kurz vor dieser steigen wir durch die blockige Flanke auf den markierten Zustiegspfad zum Klettersteig ab. Über diesen erreichen wir in wenigen Minuten den Beginn des Klettersteiges. Vor der hier angebrachten Beschilderung mit Routentopo legen wir die Klettersteigausrüstung an.

Routentopo Bei etwa 2880 m Höhe steigen wir in die Route ein. Recht ausgesetzt und mit "Luft unter den Füßen" steigen wir den Nordwestpfeiler des Piz Trovat hinauf. Es sollen 500 Stahlbügel in dieser Route verbaut worden sein. Wir haben Sie nicht gezählt, aber angesichts des grandiosen Panoramas haben wir die saubere Absicherung des Klettersteiges gerne angenommen. Der Aufstieg ist ein Genuß für Berg-, Klettersteig- und Landschaftsfreunde.

Bei etwa 3050 m Höhe leitet uns das Cambrena-Band nach rechts zu einer Steiggabelung: Nach rechts zweigt hier die schwere Variante Piz Trovat II ab (siehe Tipp unten). Wir wählen die Standardvariante und erreichen wenige Meter später die berühmte Drahtseilbrücke des Piz Trovat I. Aus dem Inneren der hier zu querenden Schlucht lassen sich schöne Bilder vom Überqueren der Brücke mit Piz Palü im Hintergrund "schiessen". Leider hat sich der vorher blaue Himmel mittlwerweile bewölkt, die angekündigte Wetterverschlechterung macht sich bemerkbar.

Drahtseil-Brücke Nochmals geht es etwa 70 m steil aber immer gut gesichert mit mittleren Schwierigkeiten die "Headwall" empor, die letzten Meter leiten dann flacher werdend in leichtem Gelände zum Ausstieg. Von hier sind es nur noch wenige Meter bis zum Gipfel des Piz Trovat (3146 m), den wir nach etwa 2 h genußvoller Kletterei erreichen.

Piz Trovat Nach einer kurzen Gipfelbrotzeit steigen wir zuerst steil durch blockiges Gelände ab, wobei der Pfad deutlich markiert ist (weiss - blau - weisse Markierungen). Nach etwa 200 Höhenmetern Abstieg erreichen wir auf flacher werdenden Weg den Sattel zwischen Piz Trovat und Sass Queder, durch dessen Südwestflanke wir auf einem Wanderweg die Wegeanlagen rund um die Diavolezza-Bergstation erreichen, wo wir uns nach etwa 30 Minuten Abstieg auf der Terasse niederlassen.

Nach der verdienten Rast auf der Diavolezza-Terasse beschliessen wir, den Abstieg entlang der Aufstiegsroute durchzuführen. Die nächsten knapp zwei Stunden wandern wir ins Tal, das Wetter wird zwar kontinuierlich windiger, der Regen beginnt aber erst kurz nachdem wir die Rückfahrt nach Zuoz angetreten haben.

Die durch den Seilbahnverzicht gesparten Schweizer Franken legen wir dann am Abend in einem schweizer Käsefondue in St. Moritz an.

Anstrengung:
Mittlere Anstrengung (1200 Hm und ca. 7 - 8 Stunden Gesamtgehzeit)
Ausrüstung:
Komplette Klettersteigausrüstung (mit Steinschlaghelm!)
Gefahren:
Steinschlaggefahr!
Tipp:
Piz Trovat I ist die leichtere Variante des Klettersteiges. Bei genügend Erfahrung und Kraft kann kurz vor der Drahtseilbrücke zur Variante Piz Trovat II abgezweigt werden. Überhängende Passagen bis 30 m Länge, generell hohe Schwierigkeiten sowie teilweise weit auseinander liegende Griffe (Mindestkörpergröße 150 cm) kennzeichnen diese sportliche Variante auf den Piz Trovat.
Bergführer:
-

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Letzte Aktualisierung am 04.03.2015 20:11:44 Uhr