Alphubel (4206 m) - Firndom im Wallis

Eine nicht ganz gelungene Tourenwoche

Alphubel
Tour:
Besteigung des Alphubel (4206 m)
Region / Gebiet:
Walliser Alpen, Wallis (Schweiz)
Termin:
04.07. - 06.07.2015
Ausgangshöhe:
2220 m (Parkplatz auf der Täschalpe)
Erreichte Höhe:
4206 m (Gipfel Alphubel)
Höhenmeter:
ca. 2000 m
GPS-Koordinaten:
Breite: 46.062909° N
Länge: 7.863988° O
Anfahrt:
Über Lindau, Zürich und Bern und Kandersteg-Bahnverladung nach Täsch. Von dort schmale Fahrstraße zur Täschalp.
Aufstiegsroute:
Von der Täschalp auf markiertem Weg zur Täschhütte. Von hier auf markiertem Weg nach Osten. Gletscheraufstieg ins Alphubeljoch. Von hier über Südostgrat und Eisnase zum Gipfel des Alphubel.
Abstiegsroute:
Wie Aufstiegsroute
Dauer:
ca. 10 - 12 Stunden Gesamtgehzeit

Nach oben 04.07.2015 Anreise und Aufstieg zur Täschhütte (2701 m)

Täschhütte Mit meinem Jugendfreund Jörg treffe ich nach 7 Stunden Fahrt in Herbriggen am Eingang des Mattertals im Wallis ein. Im Hotel Bergfreund treffen wir auf unseren Bergführer Andreas, mit dem ich schon einige schöne Touren - nicht nur in Europa - unternommen habe.

Das Programm für diese Woche sieht nach zwei Akklimatisationstouren auf Alphubel (4206 m) und Rimpfischhorn 4198 m) die Besteigung der Dufourspitze (4634 m) vor. Zuerst checken wir die Ausrüstung für die ersten beiden Gipfel und fahren dann mit Andreas Auto über die schmale Bergstraße zur Täschalp (2214 m).

Wir nehmen die Rucksäcke auf und beginnen den Aufstieg zur Täschhütte. Der Weg führt über die Versorgungsstraße der Hütte, so dass meist in moderater Steigung und weiten Serpentinen aufgestiegen werden kann. Das Wetter ist hervorragend, ein leichter Windhauch verhindert zu großen Schweissfluß.

Die 500 Höhenmeter zur Täschhütte sind ein leichter Auftakt zu unseren Tourentagen. Eine angenehme Überraschung ist auch die Hütte: Der alte Hüttenbau beinhaltet die Sanitärräume und das Schuhlager, im würfelförmigen Neubau befinden sich Küche, Speisesaal und die meisten Lager. Moderne Zimmerlager mit jeweils 4 Stockbetten schaffen eine angenehme Atmosphäre. Die Hütte ist nur etwa zu 40 % belegt, die Sommerferien haben gerade erst begonnen. Ein Abendmahl in drei Gängen beschließt den Abend zur üblichen Hüttenruhe.

Nach oben 05.07.2015 Hochtour Alphubel (4206 m)

Um 02:30 Uhr weckt uns das Handy. Im Schein der Stirnlampen kleiden wir drei uns an. Die drei anderen Zimmergenossen haben heute anscheinend Ruhetag, sie bleiben liegen. Etwa 15 Minuten gönnen wir uns für das Frühstück, dann treffen wir uns im Schuhlagerraum zum letzten Ausrüstungscheck. Um drei Uhr treten wir vor die Hütte. Es ist erstaunlich warm, so dass wir eher locker bekleidet um 03:11 Uhr die Hochtour beginnen.

Allalinhorn Im Schein der Stirnlampen folgen Jörg und ich unserem Guide Andreas, der in gleichmäßigem Tempo dem Pfad nach Osten folgt. Über die sogenannten Chummi-Bodmen geht es zumeist in moderater Steigung nach Osten. Manchmal queren wir kleine Wasserläufe, die dem großen Bach zufließen, den wir zumeist rechts von uns rauschen hören, in der Dunkelheit aber nicht sichtbar ist. Einige kleinere Abschnitte sind über grobes Blockwerk zu queren, dann wird das Gelände etwas steiler. In der beginnenden Dämmerung werden erste Schneeflächen vor uns sichtbar. Nach der Querung einer schlammigen Schmelzwasserfläche stehen wir gegen 05:00 Uhr auf einer stabilen Schneeunterlage in etwa 3300 m Höhe und legen unsere Gletscherausrüstung an.

Alphubel Nach etwa 10 Minuten gehen wir als Seilschaft weiter: Andreas vorne, Jörg bei seiner ersten Hochtour in der Mitte, ich mache den Schluss. Zuerst geht es auf einer Firnoberfläche bergan. Nach etwa 15 Minuten steilt sich die Fläche des Alphubelgletschers beständig weiter auf. Ein links von uns liegender Felsriegel leitet uns nach Osten etwa 100 Höhenmeter steiler empor, danach flacht das Gelände ab. Wir nähern uns dem weiten Sattel des Alphubeljochs und steigen geradezu in die aufgehende Sonne hinein. Die Umgebung bekommt Farben, wir befinden uns im Zentrum der Mischabelgruppe. Im Alphubeljoch (3773 m) drehen wir nach Norden ein und erkennen erstmals den weiteren Aufstiegsweg: Der Südsüdostgrat leitet in ansteigenden Wellen zum Gipfelaufbau über, wo er über eine steile Eisnase auf das Gipfelplateau überleitet.

Freunde Wir legen inmitten dieser Kulisse gegen 06:30 Uhr eine Frühstücksrast ein und beobachten einige aufsteigende Seilschaften am Gipfelgrat.

Im weiteren Aufstieg macht sich bei der Annäherung an die 4000m-Marke die Höhe bemerkbar, in steileren Abschnitten wird die fehlende Akklimatisation durch zusätzliche Verschnaufpausen bemerkbar. Der Südsüdostgrat leitet sehr schön zum Gipfelaufbau über, ohne wirklich ausgesetzt zu sein. Ab etwa 4050 m steilt sich der Grat auf. Bei etwa 35° liegt hier die Steigung der Firnflanke. Konzentriertes Gehen ist jetzt erforderlich. Gute Trittstufen im Firn lassen aber sicheres Steigen zu.

Monte-Rosa-Gruppe Bei etwa 4120 m bricht im Anstieg bei Belastung unter dem rechten Steigeisen ein Tritt weg, was zu einem Überstrecken mit nachfolgendem Stechen in der Wade führt. Vorerst kann ich aber problemlos weiter Aufsteigen. Ein paar Minuten später flacht das Gelände ab, wir erreichen das Gipfelplateau. Noch etwa 50 Meter geht es nach Norden dann haben wir den Gipfel des Alphubel um 08:35 Uhr erreicht. Besonders freut mich der Gipfelerfolg zusammen mit meinem Freund Jörg, der hier seinen ersten richtig "hohen Berg" (über 4000 m) erklommen hat.

Grandios der Blick auf das Panorama der umliegenden Bergwelt von Matterhorn, Mischabel- und Monte-Rosa-Gruppe. Ein perfekter Morgen, den wir mit etwa 30 weiteren Bergsteigern auf dem weiten Gipfelplateau verbringen.

Alphubelgletscher Nach etwa 30 Minuten Gipfelrast beginnen wir den Abstieg über die Aufstiegsroute. Konzentriert gehen wir das Steilstück über die "Eisnase" ab, dabei bemerke ich einen unangenehmen Spannungsschmerz im Wadenbereich. Dieser wird im weiteren Abstieg schlimmer, so dass ich mehrfach "Kunstpausen" einlegen muss. Im weiteren Verlauf des Abstiegs ab dem Alphubeljoch wird dann schnell klar, dass in diesem Zustand die für den nächsten Tag geplante Tour zum Rimpfischhorn (4198 m) für mich nicht machbar ist. Langsam gehen wir abwärts und brauchen deutlich länger als normal, bis wir mit einigen Pausen gegen 12:40 Uhr endlich wieder die Täschhütte erreichen.

Das Gipfelradler wird getrübt von der Gewissheit, die geplante Tourenwoche hier abbrechen zu müssen. Da Jörg weitere Hochtouren gemeinsam mit mir durchführen will, wird die ganze Tourenwoche hier abgebrochen und auf einen späteren Termin verschoben. Auch Andreas akzeptiert diese Entscheidung.

Nach oben 06.07.2015 Abstieg

Matterhorn Da heute keine (Hoch-)tour mehr ansteht, nehmen wir erst um 07:30 Uhr am zweiten Frühstückstermin teil. Nach der Verabschiedung von den Hüttenwirten steigen wir langsam in etwa 60 Minuten zur Täschalp hinunter. Mit Andreas Auto fahren wir dann zum Hotel Bergfreund nach Herbriggen wo wir uns von Andreas verabschieden, der gleich nach Hause fährt.

Den Nachmittag verbringen Jörg und ich in Zermatt, welches ganz im Zeichen zum 150 Jahre Jubiläum der Matterhorn Erstbesteigung liegt. Gemütlich verbringen wir danach den Abend auf der Terrasse des Hotel Bergfreund in Herbriggen, bevor wir am nächsten Morgen die ungeplant verkürzte Bergwoche mit der Heimfahrt nach Oberbayern beenden.

Anstrengung:
Mittlere Anstrengung
Ausrüstung:
Komplette Hochtourenausrüstung (mit Seil!)
Gefahren:
Spaltengefahr!
Tipp:
Aufstieg von der Täschhütte auf das Rimpfischhorn (4198 m)
Karte:
Landeskarte der Schweiz, 1:50000
284T / Zermatt - Saas Fee
Ausgabe 1999

GPS-Trackansicht mit Google® Maps

Letzte Aktualisierung am 03.08.2015 17:31:35 Uhr