Kebnekaise (2111 m) - der höchste Schwede

Der höchste Berg der europäischen Arktis

Gipfelgletscher Kebnekaise
Tour:
Der höchste Berg von Schweden
Region / Gebiet:
Schwedisch Lappland (Schweden)
Termin:
13.08.2011
Ausgangshöhe:
ca. 660 m, ab Zeltplatz nahe Kebnekaise Fjällstation 
Erreichte Höhe:
2111 m (6925 ft), Kebnekaise Sydtoppen
Höhenmeter:
ca. 1800 m
GPS-Koordinaten:
Breite: 67,90068° N
Länge: 18,51710° O
Aufstiegsroute:
Von der Kebnekaise Fjällstation zweigt nach Westen gehend die beschilderte Abzweigung des Västra Leden ab. Den Pfad teilweise steil ansteigend durch das Tal des Baches Kittelbacken bis in ein groβes Talbecken aufsteigen. Den Fluβ nach Westen queren und steil das Geröllfeld zur Scharte zwischen den Bergen Tolpagorni und Vierramvare aufsteigen. Nach Norden wenden und den Pfad zum Gipfel des Vierramvare (1717 m) aufsteigen. Auf der Nordseite bis auf etwa 1500 m absteigen. Dann in Serpentinen steil von Süden zum Kebnekaise aufsteigen. Ab der Schutzhütte Toppstugan wird das Gelände deutlich flacher. Etwa 20 Minuten später erreicht man die steile Firnschneide des Gipfelgletschers des Sydtoppen des Kebnekaise. Je nach Verhältnissen sind Grödel oder Steigeisen empfehlenswert. In etwa 10 Minuten wird der Gipfel Schwedens erreicht.
Abstiegsroute:
wie Aufstiegsroute
Gesamtstrecke:
ca. 20 Kilometer
Dauer:
ca. 10 - 12 Stunden

Nach oben 11.08.2011 Anreise zur Kebnekaise Fjällstation

KebnekaiseNach einem Trekking durch schwedisch Lappland wollten meine Begleiterin Monika und ich als Abschluβ den höchsten Berg Schwedens besteigen. Von der Erzstadt Kiruna wurde mit dem Linienbus Nr. 92 in etwa 70 Minuten das Ende der Straβe im kleinen Samendorf Nikkaluokta erreicht. Auf der Fahrt dorthin war am Horizont erstmals die Firnkuppe des Kebnekaise zu sehen.

In Nikkaluokta beginnt der 19 Kilometer Anmarsch zur Kebnekaise Fjällstation, dem infrastrukturell sehr gut ausgebauten "Basislager" für Gipfelaspiranten. Etwa 4 - 5 Stunden führt der Weg durch ein breites Trogtal Richtung Westen. Anmarsch Für mitteleuropäische Verhältnisse ist der Weg wenig begangen, doch das hatten wir auch schon während des Fjälltrekkings bemerkt. Letztlich stellte sich aber auch heraus, dass wohl ein guter Teil der schwedischen Bergsteiger den angebotenen Helikopterservice ab Nikkaluokta (einfach ca. 800 Schwedische Kronen, 2011) nutzen, um sich den langen An- und Abmarsch zu sparen.

Entlang des Sees Ladtjojaure und danach langsam ansteigend gehen wir zumeist durch niedrigen Birkenwald oder über Bohlenwege durch sumpfiges Wiesengelände. Das Anfangs schöne und warme Sommerwetter verschlechtert sich langsam im Verlauf des Nachmittags. Leichter Wind kommt auf und der Himmel zieht mit tief hängenden Wolken zu. Zumindest beginnt es vorerst nicht zu regnen. Etwa 10 Minuten vor der Kebnekaise Fjällstation finden wir auf einem kleinen Plateau abseits des Weges einen schönen Zeltplatz. Im mittlerweile schneidend kalten Wind wird schnell das Zelt aufgebaut und am nahe gelegenen Bach Wasser zum Kochen geholt. Sturmähnlicher Wind und heftiger Regen lassen den Tag ausklingen.

Nach oben 12.08.2011 Erster Besteigungsversuch

Kittelbacken Die Geschichte dieses Tages ist schnell erzählt: Nach dem Kälteeinbruch des voran gegangenen Abends lag das Tal und die umliegenden Berge unter einer geschlossenen Wolkendecke. Nach einem kurzen Frühstück verlassen wir unser Zeltlager und marschieren etwa 10 Minuten später an der Kebnekaise Fjällstation vorbei. Etwa 1 Kilometer später zweigt ausgeschildert der Västra Leden ab. Der Weg führt - mit roten Farbmarkierungen - auf das Tal des Kittelbacken zu und steigt teilweise steil an dessen orografisch linker Talseite an. Mittlerweile haben sich die Wolken deutlich abgesenkt, es beginnt zu regnen. Kurze Zeit später geht der Regen in schnell dichter werdenden Schneefall über. Etwa 90 Minuten nach dem Aufbruch beschlieβen wir auf etwa 1100 m Höhe den Abbruch der Tour. Der Rest des Tages besteht nahezu aus Dauerregen. Vielleicht ergibt sich am nächsten Tag eine neue Chance?

Nach oben 13.08.2011 Besteigung des Kebnekaise (2111 m)

Kebnekaise Das Wetter hat sich geändert! Unter einem fast wolkenlosen Gipfel grüβen die 2000er des Kebnekaise-Massivs. Kurz vor 6:00 Uhr am Morgen brechen wir zu einem neuen Gipfelversuch auf. Es geht auf dem bekannten Weg in das Tal des Kittelbacken. Bei Sonnenschein wirkt hier alles deutlich freundlicher. Nach etwa 2 Stunden erreichen wir einen breiten Talkessel. Beeindruckend ist der Blick auf die etwa 800 m hohe Südwand des Kebnekaise. Der Wasserlauf des Kittelbacken wird nach Westen gequert, hier endet auch der Pflanzenwuchs. Die roten Wegmarkierungen leiten eine steile Kebnekaise Geröllhalde hoch, welche im Sattel zwischen Tolpagorni (1662 m) und Vierramvare (1711 m) endet. In einem Windschutz hinter ein paar Felsblöcken wird eine kurze Rast eingelegt.

Nach Norden steigt der Pfad fast direkt die Südflanke des Vierramvare auf. Der gestrige Schneefall hat eine dünne Neuschneeauflage hinterlassen. Steil geht es hier über teilweise lose Felsplatten empor. Dreieinhalb Stunden nach dem Aufbruch ist die weite Gipfelfläche des Vierramvare (1711 m) erreicht. Ein Meer von Steinmännern verziert diese Steinwüste. Bevor nun der eigentliche Aufstieg zum Kebnekaise erfolgt, muss in die Einsattelung zwischen Vierramvare und Kebnekaise abgestiegen werden. Etwa 200 Höhenmeter gehen verloren, bevor die nur etwa 100 Meter breite Talsohle Kaffedalen gequert werden kann.

Endlich beginnt der eigentliche Anstieg auf den Kebnekaise: Der schneebedeckte Pfad geht in steilen Serpentinen die Südflanke von Schwedens höchstem Berg empor. Nach etwa 300 Höhenmetern wird am Berghang eine kleine Holzhütte sichtbar; Toppstugan, die höchste Schutzhütte in Schweden. Trotz leichter Bewölkung ist die Gipelblick Aussicht auf die umliegende Berglandschaft beeindruckend. Nach einer kurzen Rast beginnt der letzte Teil des Aufstiegs:

Die Steilheit de Geländes nimmt deutlich ab. Die gut begehbare Pfadspur führt in nur geringer Steigung Richtung Norden. Vor uns steht in den Wolken eine Gruppe Menschen an einem Steinhaufen. Sie legen Steigeisen an. Wir stehen vor dem Gipfelgletscher des Kebnekaise! Unvermittelt steilt sich vor uns ein mit Neuschnee bedeckter Eishang auf, der nach einem Aufschwung in einen schönen Firnhang übergeht. Wir legen unsere Grödel an, die bei der Neuschneeauflage sicherlich nicht optimal greifen und beginnen ebenfalls den Aufstieg. In wenigen Minuten, den letzten Aufschwung sehr vorsichtig, ist nach exakt 6 Stunden Aufstieg der Gipfel erreicht. Eine nur einen Meter breite Firnschneide fällt auf beiden Seiten schnell mehrere hundert Meter ab. Der Übergang zum Nordgipfel ist wirklich nur mit entsprechender Ausrüstung und Saelka Erfahrung durchführbar.

Die Fernsicht ist aufgrund der den Gipfel umspielenden Wolken eingeschränkt, so dass wir nach etwa 10 Minuten vorsichtig mit dem Abstieg beginnen. Am unteren Ende des Gipfelgletschers reissen die Wolken auf: Beeindruckend leuchtet die Firnschneide des Kebnekaise-Sydtoppen im Sonnenlicht. Es sind zwar "nur" 2111 m Höhe, aufgrund der Lage 200 Kilometer nördlich des Polarkreises wirkt dieser Gipfel wie ein fast 4000er im Schweizer Wallis. Dort wäre er - aufgrund des technisch einfachen Zustieges - sicherlich täglich einer Massenbegehung ausgeliefert.

Es geht den gleichen Weg zurück, der Blick schweift in die Ferne der Berglandschaft von Nordschweden. Bei klarem Wetter soll von hier oben ein Achtel von Schweden zu Vierramvare sehen sein.

Im weiteren Abstieg kommen uns immer mehr Gipfelaspiranten entgegen: Führerseilschaften vom Östra Leden, Vereins- und Familiengruppen. Für Alpenverhältnisse sind diese wohl spät am Morgen los gegangen. Zu dieser Jahreszeit besteht allerdings auch keine Gefahr in die - nicht vorhandene - abendliche Dunkelheit zu geraten.

Die in der  Mittagswärme schmelzende Neuschneeauflage zwingt zu einem vorsichtigen Abstieg. Der Gegenanstieg auf den Vierramvare erfordert nochmals ein wenig Durchhaltevermögen. Der weitere Abstieg verläuft weiterhin entlang des markierten Aufstiegsweges (Västra Leden).

Nach 11 Stunden wird die Kebnekaise Fjällstation erreicht. Ein langer Tourentag klingt mit einem Bier aus, bevor die letzten Meter zum Zeltlager zurückgelegt werden.

Nach oben 14.08.2011 Abreise

Abschied Zum Abschied nochmals ein wunderschöner Morgen im Tal an Schwedens höchsten Gipfeln. Unter fast wolkenlosem Himmel werden wir von einem Rentierbullen begrüβt, der sich auf einem Grasplateau vor unserem Zelt sonnt.

Nach dem Frühstück erfolgt routiniert der Abbau des Zeltes und gegen 7:00 Uhr beginnt der Rückmarsch in die Zivilisation. 19 Kilometer zum gemächlichen Abschied aus dem schwedischen Fjäll und der Bergwelt um den höchsten Berg der europäischen Arktis.

Kaum ein Wanderer begegnet uns an diesem frühen Morgen, doch der Kebnekaise Helikoptershuttle ist mit zwei Maschinen im Dauereinsatz. Ein seltsamer Kontrast: Die sonst so umwelt- und naturbewussten Schweden steigen in den Heli und nutzen einen wahren Luxusservice um dann im Einklang mit der Natur ein paar Ferientage zu erleben.

Am Ostende des Sees Ladtojaure legen wir in einer kleinen Samensiedlung eine Kaffeepause ein. Die letzten ca. 6 Kilometer gehen dann wieder über breite Wanderwege Richtung Ausgang des Kebnekaise-Gebiets nach Nikkaluokta. Hier begegnen wir auch einer gröβeren Zahl von Tagesausflüglern.

Am Trailende reicht die Zeit noch für eine Erfrischung, dann wird um 12:15 Uhr der Linienbus Nr. 92 bestiegen. Ein letzter Blick fällt auf den Kebnekaise bevor uns der Bus wieder in die etwa 65 Kilometer entfernte Erzstadt Kiruna bringt.

In Kiruna müssen wir noch einmal Wandern: Am Sonntag gibt es erst 3 Stunden später wieder einen Linienbus zum Flughafen. Kurzerhand gehen wir die über 7 Kilometer zum Flughafen, wo wir am Abend das Flugzeug Richtung Stockholm besteigen.

Anstrengung:
Västra Leden: Lange Tour mit groβen Höhenunterschieden erfordert dementsprechende Kondition.
Ausrüstung:
Västra Leden:

Steigeisen oder zumindest Grödel für die Gipfeleiskuppe sinnvoll, sonst bei Blankeis gefährlich!

Pickel nicht notwendig. Trekkingstöcke sehr sinnvoll.

  • Funktionsbekleidung
  • Handschuhe
  • Kopfbedeckung, Sonnen- oder Gletscherbrille (100% UV-Filter)
  • Fleecejacke (mit Windstopper!)
  • Tages-Rucksack (ca. 35 - 40 Liter)
  • Tagesverpflegung
Gefahren:
Aufgrund der Lage 200 Kilometer nördlich des Polarkreises entspricht der Kebnekaise mit 2111 m Höhe klimatisch fast einem 4000er in den Westalpen!
Tipp:
Trekking in Lappland
Bergführer:
Ein Bergführer ist beim Aufstieg über den Västra Leden nicht erforderlich.

Der alternative Aufstieg über den Östra Leden führt über Gletscher und einen klettersteigähnlichen Felsaufstieg von 200 HM. Bergführer sind an der Kebnekaise Fjällstation buchbar.

Anmerkung:
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Karte:
Lantmäteriets Fjällkarta, Skala 1:100.000
BD6 Abisko - Kebnekaise - Narvik
ISBN 978-91-588-9488-4
www.lantmateriet.se

Letzte Aktualisierung am 17.11.2014 18:52:23 Uhr